Stressmodell nach Lazarus: so entsteht Stress

Eines der bekanntesten Modelle zur Entstehung von Stress ist das transaktionale Stressmodell nach Lazarus. Bei diesem Modell werden kognitive, individuelle Bewertungsprozesse als Auslöser von Stress gesehen. Diese Bewertungsprozesse entscheiden, ob eine Person Stress empfindet beziehungsweise, ob Stress entsteht, oder eben nicht. Der Ausgangspunkt des Stressmodells nach Lazarus ist ein bestimmter Reiz, beispielsweise eine bestimmte Situation oder ein Ereignis. Dieser Reiz wird beim Stressmodell nach Lazarus dann, auf verschiedenen Ebenen, individuell bewertet.

Drei Bewertungsprozesse beim Stressmodell nach Lazarus

Beim transaktionalen Stressmodell nach Lazarus werden drei verschiedene Bewertungsprozesse unterschieden. Es gibt eine primäre Bewertung, eine sekundäre Bewertung und eine Neubewertung des Reizes. Diese Bewertungsprozesse müssen nicht zwingend nacheinander ablaufen, sondern können auch parallel erfolgen.

Primäre Bewertung

Bei der primären Bewertung findet eine Beurteilung statt, ob der Reiz günstig und positiv, stressend oder eher irrelevant ist. Wenn der Reiz als günstig oder positiv beurteilt wird, wird dieser der Person auch keinen Schaden zufügen. Um dies zu verdeutlichen, schauen wir uns die Situation (Reiz) “bevorstehende Klausur“ an. Wird dieser Reiz als günstig empfunden, ist eine Person beispielsweise erfreut, dass das Lernen bald ein Ende hat, oder das eine Person ihr Wissen endlich zeigen kann. Wenn der Reiz als stressend empfunden wird, hat eine Person eventuell Prüfungsangst oder zweifelt an den eigenen Fähigkeiten, um die Klausur zu bestehen. Wird der Reiz also als stressend empfunden, muss eventuell eine Anpassung des Verhaltens vorgenommen werden.

Stress kann hier in drei verschiedenen Formen auftreten. Er kann schädigend, bedrohend oder herausfordernd sein und somit verschiedene Auswirkungen haben. Ist der Reiz schädigend, hat er bereits negative Folgen mit sich gezogen. Ist der Reiz bedrohend, versuchen Personen die Situation zu umgehen oder zu vermeiden. Langfristig kann es hierbei aber auch zu einer Schädigung durch den Reiz kommen. Wenn eine Situation als herausfordernd betrachtet wird, lässt sich eine Person also nicht gleich stressen, sondern betrachtet den Reiz als Herausforderung.

Sekundäre Bewertung

Wird beim Stressmodell nach Lazarus eine Situation als bedrohlich wahrgenommen, kommt es zu einer zweiten Einschätzung oder Bewertung des Reizes. Hier spricht man auch von der sekundären Bewertung. Hierbei spielen die Ressourcen einer Person eine zentrale Rolle. Es wird also beurteilt, ob bestimmte Bewältigungsfähigkeiten und Bewältigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und realisierbar sind. Um dies zu veranschaulichen, wird wieder der Reiz “bevorstehende Klausur” betrachtet.

Bewältigungsfähigkeiten sind in diesem Fall die Fähigkeiten einer Person zu lernen. Beispielsweise Intelligenz und der Wille, ein Thema zu erlernen und zu beherrschen. Unter den Bewältigungsmöglichkeiten kann in diesem Fall der Aspekt Zeit betrachtet werden. Ist noch genügend Zeit, um ausreichend für die Klausur zu lernen oder ist es schon unmöglich, alle Themen bis zur Klausur zu beherrschen?

Beim Stressmodell nach Lazarus sind diese Bewertungsprozesse die Grundlage, wie eine Person die Situation beziehungsweise den Reiz bewältigt. Wenn also noch genug Zeit ist und eine Person die notwendigen Fähigkeiten für die Klausur besitzt, geht sie anders mit dieser Situation um, als eine Person, die unter Zeitdruck steht und nicht die notwendigen Fähigkeiten besitzt. Je nachdem, wie eine Situation gemeistert, oder ein Reiz bewältigt wird, kommt es zu einer Neubewertung des Reizes.

Neubewertung des Reizes

Bei der Neubewertung des Reizes wird überprüft, ob die Bewältigung der Aufgabe oder der Situation gelungen ist, ob diese noch als bedrohlich wahrgenommen wird und ob es zu einer Schädigung durch den Reiz kam. Das Stressmodell nach Lazarus führt an, dass bei einer erfolgreichen Bewältigung der Situation oder des Reizes, diese oder dieser bei der nächsten Konfrontation als weniger stressend empfunden werden. Wenn also eine Person ihre Klausur besteht, obwohl wenig Zeit beim Lernen zur Verfügung stand, ist sie beim nächsten Mal eventuell weniger gestresst, wenn es wieder zu einer gleichen oder ähnlichen Situation kommt.

Stressmodell nach Lazarus: Bewertungsprozesse können sich wiederholen

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Bewertungsprozesse wiederholen, oft sogar mehrfach. Diese Prozesse sind außerdem hauptsächlich intuitiv und laufen automatisch ab. Einer Person ist häufig also nicht bewusst, dass sie gerade einen Bewertungsprozess durchläuft.

Nach dem transaktionalen Stressmodell nach Lazarus entsteht Stress also dann, wenn ein bestimmter Reiz bedrohend oder schädigend auf eine Person wirkt und der Person nicht die ausreichenden Ressourcen in Form von Bewältigungsfähigkeiten und Bewältigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Das Stressmodell nach Lazarus ist nur eines unter vielen Modellen, dass die Entstehung von Stress zu erklären versucht, um deutlich zu machen, welche Faktoren bedeutend sind und welche Prozesse in einer betroffenen Person ablaufen.